Trockene Augen können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen – von anhaltendem Brennen bis hin zu Sehstörungen im Alltag. Bei moderaten bis schweren Verläufen stoßen konventionelle Tränenersatzmittel jedoch häufig an ihre Grenzen. Für diese Patient:innen stehen bislang nur begrenzte therapeutische Optionen zur Verfügung.

Eine zunehmend eingesetzte Alternative sind Serumaugentropfen (Serum Eye Drops, SED). Diese werden aus menschlichem Blutserum hergestellt und enthalten natürliche Bestandteile des Tränenfilms.

Doch wie wirksam ist diese Therapie – und wie gut ist ihre Wirkung wissenschaftlich belegt?

Eine Bewertung des Austrian Institute for Health Technology Assessment beschreibt Hinweise auf Vorteile von Serumaugentropfen im Vergleich zu Tränenersatzmitteln.1

Wirksamkeit von Serumaugentropfen

Mehrere klinische Studien untersuchten die Wirksamkeit von Serumaugentropfen bei Dry Eye Disease und anderen Erkrankungen der Augenoberfläche.

Eine randomisierte kontrollierte Studie aus dem Jahr 2024 analysierte die Wirkung von 100 % autologem Serum bei moderatem bis schwerem trockenem Auge. In dieser Studie zur Bewertung kurzfristiger Outcomes wurden über einen Zeitraum von vier Wochen Ergebnisse erhoben. Die deutlichste Verbesserung der Symptome zeigte sich in den ersten zwei Wochen.²

  • Reduktion des Ocular Surface Disease Index (OSDI)
  • Verbesserung der Hornhautfärbung
  • gute Verträglichkeit ohne infektiöse Komplikationen

Der OSDI ist ein etablierter klinischer Score zur Bewertung der Symptomschwere. Eine Reduktion dieses Scores spricht für eine geringere Symptomlast und weniger alltagsrelevante Beschwerden.

Auch weitere klinische Studien berichten über positive Effekte, darunter:

  • Reduktion von Trockenheits- und Fremdkörpergefühlen
  • Verbesserung der Tränenfilmstabilität
  • Beschleunigte Heilung der Hornhaut

Eine aktuelle Übersichtsarbeit von Siller et al. (2026) fasst die bisherige Evidenz zusammen und beschreibt epitheliotrophe Faktoren im Serum als möglichen Beitrag zum beobachteten therapeutischen Effekt.³

“Klinische Studien berichten über positive Effekte.“

„

Bestätigung durch systematische Reviews

Systematische Reviews berichten überwiegend positive, aber heterogene Ergebnisse; die Aussagekraft wird durch geringe Fallzahlen, unterschiedliche Herstellungsprotokolle und fehlende Langzeitdaten eingeschränkt.

Eine Analyse der Cochrane Database of Systematic Reviews zeigt, dass Serumaugentropfen im Vergleich zu künstlichen Tränen zu einer Verbesserung von Symptomen und Hornhautbefunden führen können. Für längere Zeiträume und objektive klinische Messungen bleibt die Evidenz unklar.4

Gleichzeitig wird deutlich: Die Studien unterscheiden sich teilweise in Herstellung, Dosierung und Anwendung. Die Evidenz ist insgesamt positiv, aber methodisch noch nicht vollständig standardisiert.

Warum können Serumaugentropfen die Augenoberfläche unterstützen?

Der entscheidende Unterschied zu klassischen Augentropfen liegt in ihrer biologischen Zusammensetzung.

Serumaugentropfen enthalten zahlreiche Komponenten, die auch im natürlichen Tränenfilm vorkommen, darunter²:

  • Wachstumsfaktoren
  • Vitamin A
  • Fibronectin
  • Albumin
  • Immunglobuline
  • entzündungshemmende Proteine

Diese bioaktiven Substanzen unterstützen zentrale Heilungsprozesse der Augenoberfläche. Sie fördern unter anderem:

  • Regeneration des Hornhautepithels
  • Zellmigration und Zellproliferation
  • Stabilisierung des Tränenfilms
  • Reduktion von Entzündungsprozessen

Dadurch können Serumaugentropfen die physiologische Umgebung der Augenoberfläche besser nachbilden als synthetische Tränenersatzmittel.

Bei welchen Patienten ist die Wirkung besonders relevant?

Serumaugentropfen werden insbesondere dann eingesetzt, wenn konventionelle Therapien nicht mehr ausreichend wirken.

Typische Indikationen sind:

  • Keratokonjunktivitis sicca (Dry Eye Disease, DED)
  • Schwere chronische Hornhaut- und Bindehauterkrankungen
  • Graft-versus-Host-Erkrankung nach Stammzelltransplantation
  • Sjögren-Syndrom

Gerade bei diesen komplexen Krankheitsbildern kann die biologische Zusammensetzung des Serums dazu beitragen, Defizite im Tränenfilm auszugleichen und die Heilung der Augenoberfläche zu unterstützen.

Mit der zunehmenden Anwendung wächst gleichzeitig die Bedeutung standardisierter und sicherer Herstellungsprozesse in Blutbanken und transfusionsmedizinischen Einrichtungen.

Fazit

Die verfügbare Literatur spricht dafür, dass Serumaugentropfen bei ausgewählten, meist schweren oder therapieresistenten Erkrankungen der Augenoberfläche Symptome und einzelne klinische Parameter verbessern können.

Die Evidenz ist jedoch heterogen. Unterschiede in Herstellung, Konzentration, Dosierung und Studiendesign sowie fehlende Langzeitdaten schränken die Aussagekraft ein.

Serumaugentropfen werden in Reviews und Leitlinien daher eher als spezialisierte Behandlungsoption für ausgewählte Patientengruppen beschrieben als pauschal überlegene Standardtherapie.5,6

Quellen:

1 Ettinger S, Mayer-Ferbas J, Jeindl R. Serumaugentropfen bei Patient:innen mit schweren Erkrankungen der Augenoberfläche. AIHTA HTA-Informationsdienst Nr.: 017; 2025. Wien: HTA Austria – Austrian Institute for Health Technology Assessment GmbH.
2 Jongkhajornpong P, Lekhanont K, Rattanasiri S, et al. Efficacy of 100% autologous platelet-rich plasma and 100% autologous serum in dry eye disease: a randomised controlled trial. BMJ Open Ophthalmology 2024;9:e001857. doi:10.1136/bmjophth-2024-001857
3 Siller A, Schennach H, Amato M. Serum eye drops: implementation, upscaling, and patient-centered care – insights from a blood bank in Western Austria. Transfus Med Hemother. 2026. doi:10.1159/000550756
4 Pan Q, Angelina A, Marrone M, Stark WJ, Akpek EK. Autologous serum eye drops for dry eye. Cochrane Database of Systematic Reviews 2017, Issue 2. Art. No.: CD009327. DOI: 10.1002/14651858.CD009327.pub3.
5 Jones L, Downie LE, Korb D, Benitez-del-Castillo JM, Dana R, Deng SX, et al. TFOS DEWS II Management and Therapy Report. Ocular Surface. 2017;15(3):575–628. doi:10.1016/j.jtos.2017.05.006
6 NHS England. Clinical Commissioning Policy: Autologous Serum Eye Drops for Severe Dry Eye Disease. London: NHS England; 2020.

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Autoren: Dr. Harald Sekljic, Dr. Clemens Troschl, Mag. Lisa Springer

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